Susan Tenhaeff | Pferdeosteopathie 
Blick für Bewegung

Blog Pferdeosteopathie Handeloh

11.05.2026

Verabschiedung eines Pferdes

700625922_10174115548760580_2230502366248356790_n.jpgIn memoriam Shaconne (Oldenburger)  *01.04.2000 +04.05.2026

Alle, die Tiere haben, wissen, wie schwer es ist, sich von ihnen zu verabschieden. Gerade alte Pferde, die man lange gehabt hat, sind nicht nur weise, sie gehören zur Familie und haben dich durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Pferde sind Tiere, von denen man unendlich viel lernen kann. Ruhe, Stärke, Ausgeglichenheit, Gerechtigkeit, Zuverlässigkeit, Vehemenz, Selbstbewusstsein und noch vieles mehr. Immer, wenn es mir so richtig schlecht geht, dann reicht eine Nase voll Pferdeduft und den Kopf unter die Mähne legen und sofort sieht das Leben schon wieder ganz anders aus. Pferde sind mein Trost in schlechten Zeiten.

Bei mir war es nun ganz extrem, denn mein Pferd war nicht nur Begleiterin, sie war auch der Grund, um mein Leben komplett zu ändern. Ich habe einen neuen Beruf (Pferdeosteopathin und Akupunkteurin) erlernt, bin in die Nähe des Pferdes gezogen und habe eigentlich alles darauf ausgerichtet, bei den Pferden zu sein. Das ist oft schwer, hält fit und ist mit vielen tollen Erlebnissen und aber auch mit jeder Menge Schwierigkeiten verbunden. Man wächst quasi täglich wieder über sich hinaus und lernt unendlich viel dazu. und da meine ich nicht nur über Pferde, sondern man lernt vor allem übers Leben dazu.

Seit ich mein Pferd hatte, also seit 15 Jahren, hatte sie Krongelenksschale im linken Vorderhuf. Ich hatte natürlich auf eine Ankaufsuntersuchung verzichtet… Aber zurückgegeben hätte ich sie sowieso im Leben nicht. Ich wusste relativ schnell, dass Stolpern und irgendwann die komplette Steife des Gelenks zu erwarten sind. Also ritt ich zur Verwunderung vieler grundsätzlich mit Helm…. ist ja auch nicht falsch… 

Auf die Krongelenksschale, folgte Arthrose im rechten Karpalgelenk, dann irgendwann begann auch das linke Vorderfußwurzelgelenk Knochenzubildungen zu zeigen…11 Jahre stand sie nachts in der Box und hatte diese Haltungsform auch gemocht, denn sie hatte ihr eigenes Futter und konnte sich nachts hinlegen. Die letzten Jahre mit Stall hatte ich sie aber schon fast täglich morgens und abends selbst rein- und rausgebracht, um zu verhindern, dass sie mit den anderen quasi aus den Stand losrennen muss. Viele Schübe gerade bei nasskaltem Wetter lösten immer wieder Schmerzen und Entzündungen aus, mit der Folge, dass die Arthrose schlimmer wurde. 

Deshalb gab es für mich irgendwann nur eine Lösung. Wir mussten in einen Offenstall umziehen. Ich hatte unglaubliches Glück und konnte in den schönsten aller Offenställe ziehen und mein Pferd hatte keine Wahl mehr. Entweder es gefällt ihr dort, oder eben nicht, zurück in den Stall mit Box würden wir aber nicht gehen. Und tatsächlich gefiel es ihr. Es war wie so oft, der Mensch macht sich 100.000 Sorgen, und die Pferde gucken sich einmal kurz um, und arrangieren sich selbstbewusst mit der neuen Situation.

Ich wusste schon zu dieser Zeit, irgendwann muss ich eine schwierige Entscheidung treffen. Es liegt nämlich im Verantwortungsbereich des Menschen, ein Tier zu erlösen, wenn die Schmerzen unerträglich werden oder die Lebenssituation unwürdig wird.

“Wenn die Kraft zu Ende geht, ist der Tod die Erlösung.” Dieser Spruch hat mich das letzte halbe Jahr immer begleitet. 

Apropos Würde… es gibt kein Geschöpf, dass eine größere Würde hat, als das Tier. Obwohl meine Große nicht mehr gut laufen konnte, obwohl sie jahrelang nicht im Liegen geschlafen hat, obwohl sie mehrmals auf die Steine geknallt ist, sie war der “Sous-Chef”, hat die jungen Hüpfer mit Nachsicht erzogen, ist langsam aber geduldig den anderen hinterher gegangen und hat sich an keinem Tag von ihrem Platz verdrängen lassen. Und sie verschaffte sich die Ruhe und den Raum, um ein angenehmes Leben zu führen. 

In den letzten Wochen entlastete sie fast ununterbrochen ein Bein und im vergangenen Winter begrüsste sie mich einen Tag blutüberströmt am Morgen, weil sie gefallen war. Jetzt in den letzten Tagen kam sie immer schon vor den anderen von der geliebten Weide zurück aufs Paddock und stellte sich abseits, weil sie vermeiden wollte, dass sie mit den anderen rennen musste und weil das Beugen beim Grasen sie anstrengte.

Irgendwann vor etwa 6 Wochen wachte ich morgens auf, und ich wusste, unsere Zeit neigt sich dem Ende zu. Da ich beim Tierarzt arbeite, wusste ich genau wie einfühlsam meine Tierärztin vorgeht. Für meine Stute sollte es ab da nur noch schönste Tage geben…Wurzeln en Masse, Äpfel bis zum Abwinken und Gras und Heu und Streicheleinheiten, Putzen und ganz viele ruhige Momente, wo uns bewusst wurde, was da für ein Vertrauen gewachsen ist, in 15 Jahren. Aus einem Wildfang, der Stricke und Halfter zerriss, war eine weise gütige, entspannte Seniorin geworden. Mein liebes Pferd.

Und dann der letzte Moment. Die Pferdekollegen durften auf die Wiese, sie wollte mit und ich begleitete sie. Mein Pferd nahm noch einige Happen Gras und dann sind wir zurück aufs Paddock gegangen. Mein Kopf war links von ihrem Kopf und wir sahen uns in die Augen. Ihr Maul lag auf meiner Schulter und die Tierärztin war auf der anderen Seite, so dass ich nicht sehen konnte, was sie macht. 

Mein Große guckt mich an und ahnt nicht, was passiert. Sie hat mir einfach vertraut, dass ich das Richtige tue. Dann stöhnte sie tief, wurde schwer auf meine Schulter und fiel sanft um. Das war bestimmt einer der schwersten Momente in meinem Leben. Doch heute, im Abstand von zwei Wochen, weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war und: Die Zeit vor dem Abschied war viel schwerer als jetzt. Ich komme nicht mehr morgens in den Stall und beobachte ganz genau, wie sie läuft und was sie für einen Eindruck macht.  Und - ich bin der Überzeugung es geht ihr gut.  Ein Trost, sie lag vor einem Baum, das ist der Ort, wo ich sie vermisse. 

Hast du so etwas auch erlebt? Dann schreib mir gern deine Erfahrungen

#TodeinesPferde #Abschied #Trauer #Pferdeliebe #Offenstall

Susan - 07:34:53 @ Neues | Kommentar hinzufügen

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